Behindertenbeirat 2000/2004
Bericht zum Abschluß der Wahlperiode
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder des bisherigen Behindertenbeirats,
liebe Kandidaten und Freunde und Gäste,
der Behindertenbeirat der Stadt Augsburg ist in den letzten Wochen acht Jahre alt geworden. Bei seiner Installation Anfang des Jahres 1996, basierend auf der Satzung vom 1.12.1995, war keineswegs gewiß, daß er dies Alter je erreichen würde. Der völlig neu eingerichtete Beirat war damals vielfach ungewollt, teils offen abgelehnt. Mittlerweile ist er in Augsburg, mehr aber noch außerhalb der Stadtmauern, ein anerkanntes Erfolgsmodell zur Verstetigung ehrenamtlichen Bürgerengagements.
Der Beirat hat die Berechtigung seiner Existenz allein schon durch die Fülle seiner Aufgaben nachgewiesen. Und er wird das weiterhin tun. Durch die gesetzlichen Aufgaben des BBR aufgrund des BayBGG ist dieser Beirat in völlig andere Dimensionen hineingewachsen. Leider wird seine organi- satorische Ausstattung den neuen Aufgaben noch nicht gerecht. An der Entwicklung des BayBGG war der Augsburger Behindertenbeirat im übrigen aktiv beteiligt.
Überregional hat er sich auch beteiligt am Beraterkreis bei der Bayeri- schen Behindertenbeauftragten und ist Mitglied in der neugegründeten VKIB, der Vereinigung der Kommunalen Interessenvertreter von Menschen mit Behinderung in Bayern, das ist der Zusammenschluß der bayerischen Kommunalen Behindertenbeiräte und –beauftragten. Die VKIB wird mit zwei Mitgliedern im Bayerischen Behindertenrat vertreten sein. Der Augsburger Behindertenbeirat ist beteiligt an der Planung zu einem schwäbischen Bezirks-Behindertenbeirat.
Die Hauptarbeit des BBR liegt jedoch im lokalen Rahmen und Raum. Hier sind Vorstand und Fachbereiche aktiv:
Der Fachbereich Gestaltung von Baulichkeiten und Wohnen hat sich konti- nuierlich der Barrierefreiheit, vorwiegend in Neubauten und vorhandenem Baubestand der Öffentlichen Hand, aber auch im kirchlichen, gewerblichen und privaten Bereich gewidmet. Sehr große Erfolge sind auch bei den Behinderten-WC zu verzeichnen. Zuletzt konnten wir sogar einen mobilen WC-Container zur Behindertenfreiheit von Volkfsfesten und anderen öf- fentlichen Veranstaltungen anschaffen. Unser großer Dank gilt hier Gün- ther Zerbe und Helmut Thies, die beide zu unserm Bedauern aus dem Beirat ausscheiden.
Der Fachbereich Verkehr und Mobilität hat mit Sicherheit das höchste Arbeitsvolumen verschlungen. Hierfür verantwortlich war zuvörderst der in bezug auf Barrierefreiheit völlig unzulängliche und anachronistische Augs- burger Hauptbahnhof. Der gewaltige Arbeitseinsatz hat einen Planungs- stand zur Folge, der vor vier Jahren als utopisch gegolten hat. Herzlichen Dank für diese Herkulesarbeit! Darüber hinaus sind sämtliche Fragen des ÖPNV (Fahrzeugpark, Betriebsnetz und Haltestellen), der barrierefreien Gestaltung des Straßenraums, der Behindertenparkplätze und vieles andere äußerst arbeitsintensiv, vor allem auch detaillierte Lastenhefte und Anforderungsprofile einer barrierefrei gestalteten Umwelt. Das hat unseren verstorbenen Richard Krais bald nach seiner Wiederwahl in diesen Beirat zum Aufgeben getrieben, und er hat die Brocken verzweifelt hingeschmissen. Diese Überforderung hat nun einen zweiten Fachbe- reichssprecher geschafft, unsern Walter Killisperger, der von Richard Krais vom einen auf den andern Tag übernommen hat, ohne zu wissen, was er sich antut. Walter Killisperger scheidet heute aus dem Beirat aus. Und das bedeutet mit Sicherheit eine beträchtliche Schwächung unseres neuen Beirats. Nun gut - oder gar nicht gut – hoffentlich werden unsere bekann- ten Bedenkenträger nicht triumphieren. Einen ganz übergroßen Dank an Walter Killisperger!
Der Fachbereich Arbeit und berufliche Integration hat auch im Jahr 2003 die jährliche Ehrung eines behindertenfreundlichen Arbeitgebers weitergeführt - diesmal eingefügt in das EJMB 2003 – durch die Ehrung der Firma Limbächer. Die nunmehr fünfte Ehrung hat eine etablierte Pro- phylaxe im Bereich der Beschäftigung behinderter Arbeitnehmer über die Jahre fortgeführt und gefestigt. Herzlichen Dank an die Fachbereichs-sprecherin Marianne Frigo, vielfach unterstützt von unserer Stellvertreten-den Vorsitzenden Simone Waldmann-Fuhrmann!
Der Fachbereich Schule und Ausbildung hat gerade in den letzten zwei Jahren ganz wesentliche Fortschritte in der Förderung de Integration behinderter Schüler in Regelschulen gemacht. Sprecherin dieses Fachbereiches war zeitweise Anneliese Immler, in den letzten Jahren mit großem Einsatz Roswitha Dehnert. Beiden Damen herzlichen Dank!
Der Fachbereich Kommunikation hat sich vier Jahre vorbildlich um unsere öffentliche Selbstdarstellung gekümmert, durch vier BBR-aktuell-Hefte pro Jahr und Einrichtung und Pflege unserer Internet-Seiten. In dies Auf- gabenfeld gehört auch die Mitarbeit an der leider immer noch nicht er- schienenen Neuauflage des neuerdings gemeinsamen „Wegweisers für Menschen mit Behinderung und Senioren in Augsburg“. Ein gar nicht hoch genug einzuschätzender Beitrag zur Barrierefreiheit aus diesem Fachbereich ist die Anschaffung der mobilen Höranlage, die auch am heutigen Tage im Einsatz ist und einem beträchtlichen Teil der extrem ausgegrenzten Gruppe der Hörgeschädigten die teilweise Rückkehr in die Gesellschaft ermöglicht. Viel Dank an Klaus Vill und seine Truppe!
Unsere Carmen Sturm hat in zig Fällen mit ihrer Mannschaft vom Fach- bereich Soziale Dienstleistungen und Hilfen gegen die Ausgrenzung behinderter Mitbürger in einzelnen Lebensfragen angekämpft. Diese stille Arbeit mit hoher Effizienz muß immer wieder öffentlich gemacht werden! Carmen Sturm erspart hierdurch der Stadt Augsburg Kosten in einem Maß, das gar nicht ermessen werden kann.
Nicht vergessen wollen wir die Rolli-Rallyes dieses Fachbereichs, die Stadträte, Verwaltung und Mitbürger hautnah mit der Problematik bewe- gungseingeschränkter Menschen vertraut gemacht haben. Dankeschön!
Zum Schluß komme ich zurück auf das bereits genannte Jahr 2003, das EJMB, ausgerufen von der Europäischen Kommission, gefördert von Brüssel, Berlin und München - aber nicht für uns! Höhepunkte waren der „Empfang der anderen Art“ im Rathaus, die Ausstellung „Innenleben“ von Kunst behinderter Künstler ebendort, die Info-Tage am Rathausplatz, die Teilnahme an der AFA, der integrative Sporttag und das Bus-Shuttle zu Beispielen barrierefreien Bauens sowie die bereits genannte Arbeitgeber-Ehrung. Für das EJMB 2003 durften wir die besondere und annähernd einzige Förderung durch „unseren“ Referenten Dr. Konrad Hummel erfah ren. Ihm dafür und für die vielfach anderen Hilfen herzlichen Dank!
Ein anderer wichtiger Mitarbeiter in 2003, aber auch über sämtliche acht Jahre BBR, ist unser Geschäftsführer Otto Kaufmann, inzwischen ein anerkannter Fachmann für Behindertenfragen. Ein großer Beifall für ihn!
Danken möchte ich noch unserer Helfergruppe, OB Dr. Paul Wengert, Bgm. Klaus Kirchner, den uns besonders zugetanen Stadträten Dieter Benkard, Cemal Bozoglu, Erwin Gerblinger, Hermann Knipfer und Gudrun Schulz, aus dem alten Stadtrat auch noch Ute Conrad, vom Senioren- und Stiftungsamt Herrn Mordstein und Herrn Kneißl, dann den Maltesern - unsern Gastgebern -, dem Senioren- und dem Ausländerbeirat, den Abgeordneten Dr. Christian Ruck MdB und Heinz Paula MdB, Bernd Kränzle MdL und Johannes Hintersberger MdL sowie Willi Leichtle MdL und vielen andern mehr oder weniger stillen Helfern.
Ganz besonders und vor allem ist unsern Mitgliedern zu danken, denen, die ausscheiden, noch mehr aber wohl denen, die weitermachen. Die ausscheidenden Mitglieder haben wir neulich im Rahmen der letzten Bei- ratssitzung in Kloster Holzen geehrt, neu dazu kommen nun leider noch Wolfgang Mayr und Walter Killisperger.
Die Aufgaben des neuen Beirats sind gewaltig und werden eher zunehmen als abnehmen. Eine Liste der Wünsche, Erwartungen und Forderungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen des BBR steht bereits. Diese Dinge wie auch die alten und neuen Inhalte werden auf OB, Referenten, Stadtrat und Verwaltung zukommen. Auf ein Neues mit Zuversicht! Eine gute Wahl wünsche ich. Am 30.6.04 endet die Amtszeit dieses Beirats mit der konsti- tuierenden Sitzung des neuen Beirats um 17:30 Uhr bei den Maltesern in der Werner-von-Siemens-Straße 10.
Ich danke Ihnen! A.E. 16.6.04