Protestaktion 2008 in Buchloe


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Protestaktion: Bahn frei für alle!

Protestierende Menschen mit Schild: Die Bahn macht mobil - wir auch

Rolli-Fahrerin beim mühsamen Einsteig in den Zug

am Samstag, 30. August 2008 von 11.00 Uhr – 15.00 Uhr am Bahnhof in Buchloe:

Wir fordern: Eine sofortige und spürbare Verbesserung des Mobilitätsserviceder Bahn für Menschen mit Behinderung!

Schirmherr der Aktion: Landrat Johann Fleschhut (Landkreis Ostallgäu)

Die Aktion wird musikalisch umrahmt, für das leibliche Wohl ist gesorgt.

 

 

 

 

 

 

Radiobericht von BR1 über die Protestaktion

 

Rollstuhlfahrer fordern Barrierefreiheit

Protestaktion Behinderte Menschen aus dem ganzen Allgäu demonstrieren in Buchloe

Quelle : Augsburger Allgemeine / Bericht: VON STEPHAN SCHÖTTL

Buchloe Für Herbert und Karin Spudich war es eine Selbstverständlichkeit, nach Buchloe zu kommen. Das Ehepaar sitzt im Rollstuhl und macht seit Jahren schlechte Erfahrungen auf den Bahnhöfen in der Region. Von der seitens der Bahn versprochenen Barrierefreiheit sei keine Spur, sagen sie.

Bis aus Kempten kamen die Spudichs daher ins Ostallgäu, um mit vielen anderen geh- und sehbehinderten Menschen zur demonstrieren. Allerdings kamen die beiden mit dem Auto. Denn, hier beginnen die Probleme bereits. Am Wochenende steht der sogenannte Mobilitätsservice der Bahn im Normalfall gar nicht zur Verfügung. Dieser kann nur jeweils von Montag bis Freitag zwischen 11 und 18 Uhr in Anspruch genommen werden. Und nur dann, wenn die Fahrt bereits drei Tage vorher bei der Bahn angemeldet wird. Wegen des Personalmangels. Durch die fortschreitende Automatisierung des Bahnbetriebs werden an immer mehr Haltepunkten die Bediensteten abgezogen, die Einstiegshilfen können also nicht mehr bedient werden. Ein-, aus-und umsteigen ist daher für Rollstuhlfahrer so gut wie gar nicht möglich. 

Allerdings waren die vielen Rollstuhlfahrer am Samstagvormittag bei ihrer Ankunft in Buchloe überrascht. Am Bahnsteig wartete freundliches Bahnpersonal, die Hebebühnen waren plötzlich auch am Wochenende in Betrieb. Noch dazu schon weit vor 11 Uhr. Dem Ärger der Rollstuhlfahrer tat dies freilich keinen Abbruch. Bis aus Augsburg, Füssen, Lindau, Lechbruck, Mindelheim und sogar München und Starnberg kamen sie. Und sie forderten lautstark und auf vielen Transparenten eine sofortige und spürbare Verbesserung des Mobilitätsservices der Bahn für Menschen mit Behinderung.

„Wir haben den Anspruch, von diesem Bahnknotenpunkt in alle Richtungen verreisen zu können. Ich hoffe, dass dieser Wunsch irgendwann ganz normal ist“, sagte Waltraud Joa, Behindertenbeauftrage des Landkreises Ostallgäu. Herbert Spudich bedachte diese Worte mit lautem Applaus. „Wir würden so gerne zum Beispiel nach Hamburg. Aber wir kommen an den Bahnhöfen nicht einmal die Treppen zum Bahnsteig hinauf“, erzählt er. Selbst eine Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sei kaum möglich. In vielen Bussen fehle der Platz für Rollstuhlfahrer. „Und so passen meine Frau und ich gar nicht zusammen in einen Bus, müssten also eigentlich getrennt fahren“, so Spudich weiter.

Fast nichts sei in der heutigen Zeit unmöglich, sagte Heidi Dintel von der Vereinigung Kommunaler Interessenvertreter von Menschen mit Behinderung (VkIB). „Man kann ins Weltall fliegen, U-Bahnen fahren führerlos. Aber die Deutsche Bahn bringt es nicht fertig, ihr Material so an den Bahnsteig anzupassen, dass ein ebener Einstieg geschaffen wird“, meinte Dintel. Als Rollstuhlfahrer sei man in vielen Bereichen auf die Bahn angewiesen. Etwa dann, wenn Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten am Wohnort fehlen und daher Fahrten in die Stadt nötig sind. Dintel forderte in ihren Ausführungen Einstiegshilfen, die von allen Fahrgästen bedient werden können. „So etwas ist auch für ältere Menschen, Reisende mit viel Gepäck oder Eltern mit Kinderwagen sinnvoll“, so Dintel weiter. Seitens der Bahn jedoch heiße es, dies sei technisch und in Sachen Haftung nicht realisierbar. Andere Lösungsansätze würden oftmals am fehlenden Geld scheitern.

Ähnlich argumentierte auch Buchloes Dritter Bürgermeister Manfred Beck. „Meistens wird völlig berechtigt auf die Bahn geschimpft“, sagte er. In Buchloe, einer traditionellen Eisenbahnerstadt, zum Beispiel habe die Stadt am Bahnhof einst in den Bau der Fußgängerunterführung investiert. Auch der Pendlerparkplatz auf der Westseite werde aus dem Stadtsäckel bezahlt. „Wenn es ums Geldverdienen geht, ist die Bahn schnell zur Stelle. Geht es um die Grundversorgung, hält sie sich aber leider zurück“, mahnte Beck. Er appellierte an die Verantwortlichen, den vielen Worten endlich Taten folgen zu lassen: „Es geht hier auch um das Image der Stadt Buchloe.“

Der Ostallgäuer Landrat Johann Fleschhut brachte es schließlich auf den Punkt: „Es geht nicht um Behinderungen der Menschen, sondern darum, wie die Menschen behindert werden.“

Die Gesellschaft habe ein gemeinsames Recht und das dürfe nicht eingeschränkt werden. Fleschhut: „Schon gar nicht von denen, die einen öffentlichen Auftrag haben. Diese Entwicklung ist fatal.“

Herbert Spudich (links) kam aus Kempten zur Protestaktion nach Buchloe. Über seine Anliegen diskutierte er dort auch mit dem Ostallgäuer Landrat Johann Fleschhut.
 

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Resolution

Die Resolution der V.k.I.B. zu diesem Thema können Sie hier einsehen.