VKIB-Tagung „Tourismus für alle“ am 16.April 2010 an der TU-München, Garching
„Mit dieser Tagung schließen wir eine Lücke in unserem Serviceangebot für Menschen mit Behinderungen“, betonte Herbert Sedlmeier der 1.Vorsitzende der VKIB (Vereinigung Kommunaler Interessenvertreter von Menschen mit Behinderung in Bayern e.V.) bei seiner Begrüßung. Frau Waltraud Joa, die kommissarische Leiterin des Fachbereichs „Tourismus“ in der VKIB und Organisatorin dieser Fachtagung, freute sich über die zahlreichen Teilnehmer und die Zusage der hochkarätigen Referenten. „Wichtig war es uns auch, die TU-München in Garching als Veranstalter und wissenschaftlichen Partner zu gewinnen“, stellte Frau Joa in ihrem Eingangsstatement fest. Prof. Dr. Veit Senner, der Leiter des Lehrstuhl für Ergonomik an der TU-München-Garching bekräftigte die Notwendigkeit, mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen, da sein Institut die wissenschaftlichen Basisforschungen für einen barrierefreien Tourismus leisten soll.
Frau Irmgard Badura stellte in ihrer Begrüßung kurz die Aufgaben der Behindertenbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung dar. Auch programmatische Aussagen stellte sie in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen: „Wir müssen weg von behindertenbezogenen Spezialisierungen, da ein barrierefreies Design in allen Lebensbereichen auch allen Menschen nützt. Vor allem aber die Barrieren in den Köpfen müssen überwunden werden. Tagungen wie die heutige, ermöglichen eine offene Kommunikation von Betroffenen und Fachleuten, damit das Miteinander inklusiver wird.“
Ministerialrat Dr. Otto Ziegler, Referatsleiter Tourismus im Bayerischen Wirtschaftsministerium stellt mit vielen Beispielen, Zahlen und Argumenten das Zusammenspiel von fünf Erfolgsfaktoren für die zukünftige Entwicklung des Tourismus in Bayern in dem Mittelpunkt seiner Ausführungen. Hier sind der Umfang der privaten Investitionsbereitschaft und die Anreize durch staatlichen Wirtschaftsförderung wichtige Faktoren für einen nachhaltige Weiterentwicklung. Entscheidende Impulse werden aber auch von der demografischen Entwicklung, dem Wandel des Tourismusverhaltens und dem Marketing in Bayern zugeschrieben. „Der Gast muss Wertschätzung erfahren und sich an seinem Urlaubsort willkommen fühlen“, stellte MR Ziegler als Grundanliegen von „Tourismus für alle“ heraus.
Herr Erwin Pfeiffer, Ressortleiter Touristische Services beim ADAC erinnerte daran, dass seine Organisation sich schon seit Jahren mit dem Thema „Barrierefreiheit im Tourismus“ befasst und diverse Forderungen an die Politik richtete. „Die aktuelle demografische Entwicklung muss dringend zu einer Vernetzung der Glieder der touristischen Servicekette führen“, fordert der Experte des ADAC. Es gibt zu viele unübersichtliche Angebote, keine bundeseinheitliche Transparenz und Datenbank. Barrierefreiheit müsste in die Lehr- und Studienpläne aufgenommen werden. Die Verantwortung der Bündelung der touristischen Aktivitäten auf eine ministerielle Ebene zu heben, wurde von den Tagungsteilnehmern mit einem deutlichen Fragezeichen versehen. „Missionarischer Eifer bei der Entwicklung von barrierefreiem Tourismus für alle ist notwendig“, appellierte Herr Pfeiffer zum Schluss seiner Ausführungen an alle.
Dr. Peter Neumann, Tourismusexperte mit eigener Beratungsfirma stellte zu Beginn seiner Ausführungen fest, dass es dem Tourismus in Deutschland an Innovationen fehlt.
Herausforderungen wie z. B. die Wirtschafts- und Finanzkrise und der demografische Wandel brauchen deutliche ökonomische Impulse, um mit qualitativ hohen Angebotssegmenten allen Menschen an möglichst vielen Tourismus- und Freizeitangeboten größtmögliche Teilhabe zu schaffen. „Barrierefreiheit ist ein Komfortmerkmal für alle“, resümierte Dr. Neumann. Zwei Drittel der Deutschen machen eine Urlaubsreise und der Anteil der Menschen mit Behinderungen steigt deutlich. 48 % der behinderten Menschen würden bei mehr Barrierefreiheit und 62% bei besserer Qualität der Reiseangebote deutlich öfter verreisen wollen. Es gibt in Europa nur wenige Beispiele für geschlossene touristische Angebotsketten und die webbasierten Angebote sind unübersichtlich und nicht barrierefrei. „Design für alle muss zur Chefsache bei den Entscheidungsträgern in der Tourismusbranche werden“, forderte abschließend Dr. Neumann.
Der Nachmittag dieser Tagung wurde von den Praktikern dominiert. Frau Susanne Droux von der DEHOGA Bayern zeigte auf, wie sich der Verband seit Jahren um die Entwicklung von Standardwerten zur Kategorisierung von Barrierefreiheit und behindertengerechten Urlaubsangeboten im Hotel- und Gaststättenbereich bemühte und auf Bundesebene in einer Zielvereinbarung festgeschrieben hat. Herr Andreas Poth, Geschäftsführer eines renommierten Kurhotels in Bad Staffelstein zeigt in Worten und eindrucksvollen Bilder auf, wie und mit welchem Ergebnis in seinem Haus der Zertifizierungsprozess erfolgte.
Frau Michaela Waldmann, Projektkoordinatorin von „Interreg“ am Landratsamt Ostallgäu entwickelte schrittweise die einzelnen Planungs- und Durchführungsphasen von „Allgäu und Tirol barrierefrei“. Ziele des Projekts sind die Sensibilisierung für die Belange von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und für die Bedeutung der gesamten Entwicklung des Lebens- und Entwicklungsraumes Allgäu und Tirol.
„Wir sind in der Phase einer umfangreichen Datenerhebung und Auswertung. Dafür werden spezielle Datenerheber pro Region geschult. Sie werden nicht nur „Datensammler“ sein, sondern sollen auch „Botschafter“ für mehr Barrierefreiheit sein und auf Wunsch die Anbieter beraten. Die Ergebnisse sollen als Impulse und Hilfen für strukturelle Entscheidungen und finanzielle Investitionen von staatlichen Stellen, Betreiben und Wirtschaftsförderern dienen“, umriss Frau Waldmann die Projektarbeit. Sie fuhr fort: „Viele kleine Schritte und ein langer Atem werden Realisierung möglich machen.“
„Design for all ist auch ein Kernthema meines Lehrstuhls für Ergonomie“, bilanzierte Prof. Dr. Veit Senner von der gastgebenden TU im letzten Fachreferat dieser Fachtagung. Mit einigen eindrucksvollen technischen Forschungsprojekten wurde verdeutlicht, wie die Wissenschaft direkt und indirekt mit ihren Ergebnissen die barrierefrei Gestaltung des Alltags und der Freizeitgestaltung von Menschen mit Behinderungen erleichtern und bereichern kann.
Sein Institut müsse sich aber auch fragen, ob die Forschungsergebnisse ansprechend und bezahlbar sind und die notwendige Nachhaltigkeit in Nutzen und Anwendung haben.
Prof. Dr. Alfred Bauer, der die gesamte Tagung mit einführenden Impulsen und geschickten Übergängen moderierte, wagte bei vorgerückter Zeit eine knappe Zusammenfassung mit Ausblick. „Wir haben ein riesiges Problemfest bearbeitet, das eigentlich mit dieser Tagung mehr Einzelfragen aufwarf als Lösungen erbrachte“, wagte er ein Fazit und einen Ausblick.
Frau Joa dankte der Uni als Gastgeber, allen Akteuren und Mitorganisatoren, die zum Gelingen dieser Pilottagung „Tourismus für alle“ beigetragen hatten. „Wir werden die Ergebnisse in den Gremien der VKIB weiter durcharbeiten und sicher zu einzelnen Fragestellungen eigene Fachtagungen anbieten“, fasste sie die Nachhaltigkeit dieser Tagung in Worte. Mit der Ermunterung, in diesem Sinne weiter zuarbeiten und noch intensiver mit der VKIB zu kooperieren verabschiedete sie die Teilnehmer an ihre Gremien und Kommunen.
An einem Föhntag traf sich der VKIB-Vorstand in der lichtdurchfluteten Don-Bosco-Schule zu einer intensiven Arbeitssitzung. Der herzliche Willkommensgruß der Schulleiterin, Frau Mönninghoff und die perfekte Versorgung mit Speis und Trank durch die Schülerfirma dieses Sonderpädagogischen Förderzentrums erleichterten die Erledigung der umfangreichen Tagesordnung.
Ein Höhepunkt des Vormittags war die Vorstellung einer Bewerberin für den momentan verwaisten Fachbereich Bildung, Schule und Kultur. Frau Marianne Mayer, Fachberaterin für Handarbeit und Hauswirtschaft legte überzeugend ihre Motivation für ein Engagement in der VKIB dar und bringt auch einen reichen Erfahrungsschatz an praktischer Arbeit an Förderschulen, bei der Konzeption von Lehrplänen und in verbandlichen Positionen mit. Bei der nächsten Mitgliederversammlung am 12.Mai 2010 wird sie sich zur Wahl stellen.
Die Feinabstimmung von zwei zeitnahen Fortbildungen konnten noch am Vormittag erledigt werden. Geringe Formalien waren noch für die gemeinsame Tagung der Fachbereiche „Bauwesen“ und „Mobilität“ zu klären, die mit äußert kompetenten Referenten am 4.3.2010 an der Obersten Baubehörde in München stattfindet.
„Tourismus für alle“ - eine Fachtagung zum Thema „Design for all – Herausforderung für Technologie- und Tourismusentwicklung“ in Kooperation mit der Technischen Universität München unter Schirmherrschaft des Bayerischen Wirtschaftsministerium die Frau Waltraud Joa, die kommissarische Leiterin des Fachbereichs Tourismus und Freizeit, in der VKIB organisiert hat. Hier werden sicher wichtige inhaltliche Entwicklungsimpulse gesetzt und Vernetzungsmöglichkeiten für die verschiedensten Partner in dieser Branche angestoßen. „Es ist auch gelungen, äußerst kompetente Referenten aus Politik und Wissenschaft zu verpflichten“, resümierte Frau Joa.
Der Nachmittag gehörte ganz der Durcharbeitung eines Fragenkatalogs zur Vorbereitung einer Anhörung des Ausschusses für Soziales, Familie und Arbeit zum Thema „Erfahrungen mit dem Umsetzung des Bayerischen Gleichstellungsgesetzes“ am 4.März 2010 im Bayerischen Landtag.
„Wir haben zwar am 6.5.2008 ein umfassendes Papier mit Änderungsvorschlägen zur Überarbeitung des Bayerischen Gleichstellungsgesetzes eingereicht“, stellt Herbert Sedlmeier, 1, Vorsitzender fest,“ aber keinerlei Reaktionen von der Politik auf unsere Einlassungen bekommen.“ Bei der Durcharbeitung des aktuellen Fragenkatalogs stellten die Vorstandsmitglieder erstaunt fest, dass dort viele VKIB- Anregungen und Änderungsvorschläge als neue Fragestellungen auftauchen.
Mit den Ergebnissen aus der intensiven „Frage-für-Frage-Durcharbeitung“ waren Frau Joa, Frau Walla und Herr Sedlmeier bestens für die Anhörung im Landtag gerüstet. Sie konnten zu den wichtigen Fragestellungen wie UN-Konvention, Barrierefreiheit bei Wohnen und in der Öffentlichkeit und zum Grundsatz „Ambulant vor Stationär“ wichtige Anregungen einbringen.
Viele der anwesenden Experten stellten übereinstimmend fest, dass sich mit dem Bayerischen Gleichstellungsgesetz in einigen Bereichen geringfügige Verbesserungen ergeben hätten. Im Großen und Ganzen se es aber noch weitgehend ein „stumpfes Schwert“, da bei Verstößen oder Versäumnissen kaum oder zu geringe Sanktionen erfolgen können.
Kontrovers war die Diskussion um die Verortung der Behindertenbeauftragten der Staatsregierung im Sozialministerium. Die behinderten Menschen sind keine Sozialfälle. Um der politischen Bedeutung und der Wertschätzung zu entsprechen, wäre eine Ansiedlung dieser Stelle beim Landtag sicher angemessen.
Johann Horvath
Und wieder etwas mehr Lebensqualität!
Jahrelang hat sich die VKIB um eine Verbesserung der Querungsstellen über Straßen für Rollstuhl- und Rollatornutzer auf der einen und für Blinde und Sehbehinderte auf der anderen Seite eingesetzt.
Die Bordsteinkante von mindestens 3 cm, seinerzeit als Kompromiss zwischen Rollstuhlnutzern und blinden Fußgängern normiert, erwies sich aus der Sicht der Rollstuhl- und Rollatornutzer zunehmend als problematisch.
Während blinde und sehbehinderte Menschen die Trennung von Gehweg und Fahrbahn nur durch den Einbau normierter Bodenindikatoren und einer mindestens 3 cm hohen Bordsteinkante sicher erkennen können, benötigen Rollstuhl- und Rollatornutzer ein auf null abgesenktes und somit erschütterungsfrei überfahrbares Bord.
Als Ergebnis vielseitiger Bemühungen entstand das „Kasseler
Querungsbord", eine Konstruktion von Nullabsenkung für Rollstuhlfahrer und daneben, aber deutlich abgegrenzt, eine 6 cm hohe Bordsteinkante für blinde und sehbehinderte Menschen.
Der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund spricht sich für diese Art getrennter Querung als Alternative zur durchgehenden 3-cm-Bordsteinkante aus, die um einen Auffindestreifen aus Noppen über den Gehweg, ein Richtungsfeld aus Rippen vor dem 6-cm-Bord und ein Sperrfeld aus Rippen vor der 1 m breiten Nullabsenkung ergänz wird. Diese Form der getrennten Querung soll, so der Deutsche Blinden und Sehbehindertenverband in Berlin, in die in Arbeit befindliche Neuausgabe der DIN 32984 (Bodenindikatoren im öffentlichen Raum) ebenfalls aufgenommen werden.
VKIB und BBSB begrüßen die angestrebte Lösung: Sie sehen in ihrer Umsetzung ein Stück neuer Lebensqualität und einen Beweis dafür, wie unterschiedlich Bedarfe von Menschen mit Behinderung auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden können.
Vereinigung kommunaler
Menschen mit Behinderung
in Bayern e. V. (VKIB)
Bayerischer Blinden- und Interessenvertreter von
Sehbehindertenbund e. V. BBSB
„Behindertengleichstellungsgesetz muss dringend überarbeitet werden!“
VKIB- Vorstandssitzung am 24.Februar in Marktoberdorf
An einem Föhntag traf sich der VKIB-Vorstand in der lichtdurchfluteten Don-Bosco-Schule zu einer intensiven Arbeitssitzung. Der herzliche Willkommensgruß der Schulleiterin, Frau Mönninghoff und die perfekte Versorgung mit Speis und Trank durch die Schülerfirma dieses Sonderpädagogischen Förderzentrums erleichterten die Erledigung der umfangreichen Tagesordnung.
Ein Höhepunkt des Vormittags war die Vorstellung einer Bewerberin für den momentan verwaisten Fachbereich Bildung, Schule und Kultur. Frau Marianne Mayer, Fachberaterin für Handarbeit und Hauswirtschaft legte überzeugend ihre Motivation für ein Engagement in der VKIB dar und bringt auch einen reichen Erfahrungsschatz an praktischer Arbeit an Förderschulen, bei der Konzeption von Lehrplänen und in verbandlichen Positionen mit. Bei der nächsten Mitgliederversammlung am 12.Mai 2010 wird sie sich zur Wahl stellen.
Die Feinabstimmung von zwei zeitnahen Fortbildungen konnten noch am Vormittag erledigt werden. Geringe Formalien waren noch für die gemeinsame Tagung der Fachbereiche „Bauwesen“ und „Mobilität“ zu klären, die mit äußert kompetenten Referenten am 4.3.2010 an der Obersten Baubehörde in München stattfindet.
Mit einer Tagung zum Thema „Tourismus für Alle“ im Wirtschaftsministerium in München die Frau Waltraud Joa, die kommissarische Leiterin des Fachbereichs in der VKIB organisiert hat, werden sicher wichtige inhaltliche Entwicklungsimpulse gesetzt und Vernetzungsmöglichkeiten für die verschiedensten Partner in dieser Branche angestoßen. „Es ist auch gelungen, äußerst kompetente Referenten aus Politik und Wissenschaft zu verpflichten“, resümierte Frau Joa.
Der Nachmittag gehörte ganz der Durcharbeitung eines Fragenkatalogs zur Vorbereitung einer Anhörung des Ausschusses für Soziales, Familie und Arbeit zum Thema „Erfahrungen mit dem Umsetzung des Bayerischen Gleichstellungsgesetzes“ am 4.März 2010 im Bayerischen Landtag.
„Wir haben zwar am 23.01.2008 ein umfassendes Papier mit Änderungsvorschlägen zur Überarbeitung des Bayerischen Gleichstellungsgesetzes eingereicht“, stellt Herbert Sedlmeier, 1. Vorsitzender fest,“ aber keinerlei Reaktionen von der Politik auf unsere Einlassungen bekommen.“ Bei der Durcharbeitung des aktuellen Fragenkatalogs stellten die Vorstandsmitglieder erstaunt fest, dass dort viele VKIB- Anregungen und Änderungsvorschläge als neue Fragestellungen auftauchen.
Mit den Ergebnissen aus der intensiven „Frage- für- Frage-Durcharbeitung“ sind unsere VKIB- Vertreter bestens für die Anhörung im Landtag gerüstet.
In der Presseerklärung des Bayerischen Kultusministeriums zum Schulanfang: Inklusion Fehlanzeige!
In der Pressemitteilung des Kultusministeriums Nr. 178 vom 11.September 2009:
"Wir können unsere Schüler intensiver fördern - Mehr Möglichkeiten für Kinder mit Behinderung schaffen“ kündigt Minister Spänle an, den Grundsatz "Jedem Kind seinen Weg" auch in der schulischen Förderung junger Menschen mit Behinderungen anzuwenden. Als Maßnahme wird nur sehr plakativ der Ausbau der Mobilen Sonderpädagogischen Dienste genannt.
„Ohne konkrete Zahlen für das neue Schuljahr 2009/2010 zu nennen, ist diese Ankündigung ein weiteres Beispiel in der Serie der leeren Versprechungen“, meint Frau Dehnert, die Leiterin des Fachbereichs Schule, Bildung und Kultur in der VKIB. „Die Mobilen Sonderpädagogischen Dienste sind nicht nur freiwillige Kooperationsmaßnahmen von allgemeiner Schule und Förderschule, sondern müssen endlich vom Finanzierungsvorbehalt im Erziehungs- und Unterrichtsgesetz befreit und zur staatlichen Pflichtleistung werden“, so Dehnert weiter.
„Wir vermissen Aussagen, mit welchen konkreten Schritten die Umsetzung des Art.24 der UN-Konvention für Rechte behinderter Menschen im Schuljahr 2009/2010 angegangen werden soll“, fügt enttäuscht Herbert Sedlmeier, der 1. Vorsitzende der VKIB hinzu. „Jetzt müssen die Weichen gestellt werden, damit langfristig mehr Kinder und Jugendliche mit Behinderung die allgemeine Schule besuchen können“ fügt Herbert Sedlmeier hinzu.
Die VKIB erwartet vom Kultusministerium zum Schuljahr 2009/2010 realistische Zahlen und Fakten zur Lehrerversorgung in allen sonderpädagogischen Förderschwerpunkten, zu den mobilen sonderpädagogischen Hilfen im Vorschulbereich und zu den Mobilen Sonderpädagogischen Diensten.
Nur so kann uns transparent und glaubhaft vermittelt werden, dass die Inklusive Bildung in Bayern gewollt und auf den Weg gebracht wird.
Der Bayerische Elternverband (BEV e. V.) wird derzeit mit einer Fülle von Anrufen besorgter Eltern von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf konfrontiert, von deren Schulen mit dem neuen Schuljahr Lehrerstellen abgezogen wurden. Zu diesen Meldungen passt ein Bericht der SZ, die von einem Minus von bayernweit 100 Sonderschullehrern spricht. Aus Oberbayern war aus mehreren Quellen übereinstimmend zu erfahren, dass allein hier 40 Stellen eingespart wurden.
Zu diesen Meldungen passt auch eine Äußerung aus dem Kultusministerium, dass man auf keinen Fall die Förderschulen ausbauen wolle, da mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention der Fokus auf die Inklusion gerichtet würde. Mit diesem Statement – noch besser aber mit den entsprechenden Taten - könnte der BEV sehr gut leben, wenn nicht schon seit dem Ende der 90-er Jahre mehr und mehr an den Förderschulen gespart worden wäre. Dies führte u. a. so weit, dass nun die individuellen Förderpläne nicht mehr umgesetzt werden können, dass Lehrer bis zu drei parallele Klassenleitungen bewältigen müssen und dass die Kinder mangels Lehrervertretungen zu oft nur von Hilfskräften beaufsichtigt werden. Nach einer Umfrage des BEV-Sachgebiets Förderschule bestand bereits im letzten Schuljahr eine Unterversorgung von ein bis zwei Vollzeitlehrerstellen je Förderschule, insgesamt also etwa 300 Sonderschullehrer. „Sollten sich die Schreckensmeldungen der Eltern bewahrheiten, kommt dies einer persönlichen Katastrophe für jedes einzelne betroffene Kind gleich“, sagt die Vorsitzende des BEV, Heike Hein. „Nach unseren Erfahrungen der letzten Jahre müssen wir leider davon ausgehen, dass wieder einmal an den Schwächsten in unserer Gesellschaft gespart wird.“
Der Bayerische Elternverband fragt sich nun, wie weitere Stellenkürzungen zusammenpassen mit der Tatsache, dass der Haushaltsplan allein für 2009 eine Stellenmehrung von 77 Sonderschullehrerstellen vorsieht. „Dass das Kultusministerium zu Beginn des Schuljahres nicht den aktuellen Stand von Schülerzahlen und Stundenzuweisung kennt, ist untragbar. Mit einem solchen System kann logischerweise auch keine rechtzeitige bedarfsdeckende Lehrerzuweisung funktionieren“, sagt Henrike Paede, stellvertretende Vorsitzende und Sachgebietsleiterin Förderschule im BEV. „Zwar funktionieren die bayerischen Förderschulen irgendwie, allerdings mit den bundesdurchschnittlich größten Klassen und dem schlechtesten Verhältnis vom Lehrerstunden pro Schüler. Es hat jedoch den Anschein, dass unser Freistaat trotz vieler anderslautenden Beteuerungen kein echtes Interesse an der individuellen und bestmöglichen Förderung behinderter Kinder hat. Für diese Annahme spricht auch, dass der Kultusminister zwar alle paar Tage eine Neuerung im Schulwesen erfindet, die Förderschulen bzw. integrativ arbeitende Bildungseinrichtungen für behinderte Kinder bisher jedoch stets davon ausgenommen waren.“
Auch die VKIB (Vereinigung Kommunaler Interessenvertreter von Menschen mit Behinderungen in Bayern) ist sich mit dem BEV einig. Pressesprecher Johann Horvath: "Wenn schon für den Pflichtunterricht an den Förderschulen zu wenig Lehrkräfte zur Verfügung stehen, wird es als unmittelbare Folge zu Kürzungen bei den mobilen sonderpädagogischen Angeboten für die allgemeinen Schulen kommen. Die Verringerung der Sonderschullehrerzahl ist angesichts der beabsichtigten Vorreiterrolle Bayerns bei der Umsetzung der UN-Konvention in Richtung inklusive Schule höchst kontraproduktiv."
Und Heike Hein ergänzt: „Diese Entwicklung ist beschämend für Bayern. Wir fragen uns, wie Kultusminister Spaenle diese Verlagerung gesellschaftlicher Probleme auf die Zukunft moralisch und wirtschaftlich rechtfertigen will. Es sollte nun seinen guten Absichten auch Taten folgen lassen!“